Der Umzug in ein neues Land ist wie das Zusammensetzen eines komplexen Puzzles. Und manchmal passt ein Teil – ein juristisches Problem – einfach nicht hinein. Ob es sich um eine ungerechte Rechnung, einen Konflikt mit dem Arbeitgeber oder ein unverständliches Schreiben einer Behörde handelt, der erste Gedanke ist: „Das wird wahrscheinlich ein Vermögen kosten“.
Bleiben Sie ruhig. Atmen Sie tief durch. In Deutschland gibt es ein ganzes System, das geschaffen wurde, damit jeder seine Rechte verteidigen kann, auch wenn das Bankkonto nicht prall gefüllt ist. Lassen Sie uns herausfinden, welche Türen Sie öffnen sollten.
Ihr Trumpf: Staatliche Hilfe (Beratungshilfe)
Stellen Sie sich vor, der Staat gibt Ihnen einen „Gutschein“ für einen Anwaltsbesuch. Das ist die Beratungshilfe – Hilfe für Menschen mit geringem Einkommen.
- Wie funktioniert das? Sie erhalten beim Gericht ein spezielles Formular (Beratungsschein) und gehen damit zu einem Anwalt. Die Beratung oder die Erstellung eines offiziellen Schreibens wird dann vom Staat bezahlt. Möglicherweise müssen Sie nur symbolische 15 Euro bezahlen.
- Wer hat Anspruch darauf? Jeder, der nachweisen kann, dass er sich keine Anwaltskosten leisten kann. Dazu gehören Empfänger von Leistungen vom Jobcenter/Sozialamt, Studenten und Arbeitnehmer mit sehr niedrigem Lohn.
- Bei welchen Fragen? Bei fast allen Fragen, die nicht vor Gericht gehen: Arbeitsrecht, Familienrecht, Mietrecht, Sozialrecht.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So erhalten Sie den begehrten Beratungsschein
- Finden Sie Ihr Amtsgericht. Geben Sie einfach „Amtsgericht“ und den Namen Ihrer Stadt in die Suchmaschine ein.
- Stellen Sie eine Akte mit Dokumenten zusammen. Das ist der wichtigste Schritt! Sie benötigen:
- Personalausweis, Aufenthaltstitel.
- Einkommensnachweise (Bescheid vom Jobcenter, Kontoauszüge der letzten 3 Monate, Gehaltsabrechnungen).
- Nachweise über Ausgaben (Mietvertrag, Nebenkostenabrechnungen).
- Alle Unterlagen zu Ihrem Problem (Vertrag, den Sie anfechten möchten, erhaltenes Schreiben usw.).
- Füllen Sie den Antrag auf Bewilligung von Beratungshilfe aus. Diesen finden Sie online oder erhalten ihn beim Gericht. Haben Sie keine Angst, wenn etwas unklar ist – im Gericht wird Ihnen geholfen.
- Gehen Sie zum Gericht. Mit der Akte und dem Antrag gehen Sie zur „Rechtsantragstelle“. Ein Mitarbeiter wird alles prüfen und Ihnen wahrscheinlich sofort den Schein ausstellen.
Tipp: In großen Städten kann es bei Gerichten Wartezeiten geben. Manchmal ist es einfacher, zuerst einen Anwalt zu finden, der bereit ist, Ihnen bei der Antragstellung zu helfen.
Hilfe ohne Bürokratie: Wohltätigkeitsorganisationen
Wenn Ihnen das Wort „Gericht“ Schauer über den Rücken jagt, beginnen Sie mit Wohltätigkeitsorganisationen. Sie sind dazu da, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen.
| Wohin gehen | Wobei helfen sie |
|---|---|
| Caritas, Diakonie, AWO, DRK (Deutsches Rotes Kreuz) | Allgemeine Fragen: Probleme mit Leistungen, Schulden, Ausfüllen von Formularen, familiäre Schwierigkeiten. Oft haben sie Berater, die verschiedene Sprachen sprechen. |
| Migrationsberatungsstellen (MBE/JMD) | Das ist der „Notruf“ für alle Migranten. Sie helfen Ihnen, sich in jeder Situation zurechtzufinden und geben Ihnen Hinweise, wie Sie weiter vorgehen sollen. |
| Pro Asyl, Flüchtlingsrat | Spezialisten für Fragen des Asyls, des Aufenthaltsstatus und aller Schwierigkeiten des Migrationsrechts. |
Suchen Sie einfach nach: „Name der Organisation + Ihre Stadt“. Ihre Beratungen sind absolut kostenlos und vertraulich.
Weitere nützliche Adressen
- Juristische Kliniken (Law Clinics) an Universitäten. Jurastudenten helfen unter Aufsicht von Professoren kostenlos bei Fällen. Sie sind voller Enthusiasmus und oft auf die Hilfe von Migranten spezialisiert. Suchen Sie nach „Law Clinic“ und dem Namen Ihrer Stadt.
- Mieterverein. Ihr bester Freund im Kampf gegen den Vermieter. Gegen einen geringen Jahresbeitrag (ca. 60-100 Euro) erhalten Sie unbegrenzte Rechtsberatung zu allen Mietfragen. Das ist um ein Vielfaches günstiger als eine Stunde Anwaltsarbeit!
- Verbraucherzentrale. Einen unnötigen Handyvertrag aufgeschwatzt bekommen? Ein defektes Produkt verkauft bekommen? Hier sind Sie richtig. Beratungen sind kostenpflichtig, aber nicht teuer.
Und wenn ich Geld habe, aber nicht so viel?
Für diejenigen, die nicht unter die Kriterien „bedürftig“ fallen, gibt es die Option der Erstberatung bei einem Anwalt. Gesetzlich darf diese nicht mehr als 190 Euro (+ MwSt.) kosten, aber viele Anwälte nehmen auch weniger. Für dieses Geld erhalten Sie eine professionelle Analyse Ihrer Situation und eine klare Antwort auf die Frage: „Lohnt sich der Aufwand?“.
Was tun, wenn es doch zum Prozess kommt?
Wenn friedliche Verhandlungen gescheitert sind, können Sie Prozesskostenhilfe (PKH) beantragen. Das ist dieselbe staatliche Hilfe, aber zur Deckung der Prozesskosten. Die Bedingungen sind die gleichen: geringes Einkommen und eine reale Erfolgsaussicht im Prozess.
Wichtige Ratschläge zum Schluss
- Sprache. Sind Sie sich bei Ihrem Deutsch nicht sicher? Fragen Sie immer nach der Möglichkeit einer Beratung in Ihrer Sprache oder nehmen Sie jemanden mit, der beim Übersetzen hilft.
- Dokumente. Tragen Sie alle relevanten Unterlagen bei sich. Es ist besser, zu viel mitzubringen, als etwas Wichtiges zu vergessen.
- Zögern Sie nicht. Bei Rechtsfragen spielt die Zeit oft gegen Sie. Sobald Sie ein unverständliches Schreiben erhalten oder das Gefühl haben, dass Ihre Rechte verletzt werden, suchen Sie sofort Hilfe.
Bleiben Sie nicht allein mit Ihrem Problem. In Deutschland gibt es viele Hände, die Ihnen helfen wollen. Das Wichtigste ist, zu wissen, wohin Sie klopfen müssen.